Der Wimpel ist zurück .... (posted by Reinhard Braun – 17. Juni 2020 20:42)Antwort
Nach viel zu vielen Wochen des Exils ist unser Wimpel zur Stadt & Dem guten Leben zurück in der Eggenberger Öffentlichkeit! Ab dieser Woche sind wir jeden Mittwoch zwischen 9:30 und 11:30 wieder zur Sprechstunde in the Hood – allerdings in der Talenteküche, da das Hornig-Cafe scheinbar bis auf weiteres nicht wieder aufsperrt. Heute war Nicole Six aus Wien mit uns und Beatrice Tomitza, um den Beitrag der Eggenberger Vielfalt zu unserem Kulturjahr-Projekt zu besprechen. Wir hatten Glück mit einem sonnigen Vormittag und fühlten uns im Garten der Talenteküche wie immer wie zuhause.

Wir freuen uns, dieser Tage wieder engeren und einfacheren Kontakt mit allen Partner*innen aufnehmen zu können und auch darüber, viele von euch in den kommenden Wochen im Garten der Talenteküche zu treffen. Auch nächsten Mittwoch wird Nicole wieder aus Wien zu uns stoßen ... Nach den komplizierten, schwierigen und auch versunsichernden Monaten, die hinter uns allen liegen, ist es schön und, wie ich finde, wichtig, wieder die Energie auf ein gutes Leben zu richten, dass wir uns alle für die Stadt wünschen!
Greez aus der Hood! (posted by Pessi Mismus – 2. Juni 2020 15:54)Antwort
Eggenberg findet langsam zu seiner alten Form zurück: Meistens gemächlich, gemütlich und freundlich. Ob die Leut ängstlicher, freundlicher, mutiger oder feiger geworden sind? Optisch ist nichts erkennbar, und die "Feldforschung" hat grad erst begonnen :-). Wir freuen uns aufs "Keinen-MN-Schutz-mehr-tragen-müssen", dann wissen wir endlich wieder, mit wem wir reden*lach*. Gestern im Park beim Marktplatz eigentlich eh wie immer, wenn nicht der alte Herr B. sein Hörgerät verloren hätt: Plötzlich Unruhe auf den Bankerln, alle kommen sie: Die Alten, die Jungen, die mit Hund, die ohne, und...helfen suchen. Ja, die Mission war erfolgreich, "puuuh, sagt Herr B., des kost 3200 Euro des Ding" Na, Glück gehabt. Anbei noch Eggenberger Street ART, made by unknown. Bis bald!
Wie soll das Miteinander in Graz gefördert werden ... gerade nach der Corona-Zeit? (posted by Reinhard Braun – 15. Mai 2020 15:50)Antwort
Das ist das Thema eines Sozial-Konvents, dessen Thema mir für die Frage nach dem guten Leben in der Stadt durchaus relevant erscheint:

Dienstag, 19. Mai 2020, 18:00-20:00 Uhr
Online-Veranstaltung über Zoom (Link wird kurz davor auf https://aktiv-demokratie.at/sites/termin.php?id=875 veröffentlicht)

Am Podium sind:
Sandra Schimmler (Sozialamt der Stadt Graz)
Michael Wrentschur (Uni Graz, InterACT)
Gerhard Hofbauer (Caritas Graz)

Die Veranstaltunng wird unterstützt durch das Kulturjahr 2020 der Stadt Graz.
Sozialstadtrat Kurt Hohensinner wird eröffnen.
Lektüreempfehlung (posted by Antonia Schneider – 20. April 2020 08:53)Antwort
»Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen.« von Daniel Schreiber, Berlin: Suhrkamp 2018.

Daniel Schreiber beschäftigt sich in seinen essayistischen Abhandlungen mit dem Konzept des »Zuhause-Seins« im urbanen und ländlichen Raum. Ausgehend von seinen traumatischen Erlebnissen, die er als homosexueller Jugendlicher in einem kleinen Dorf in der DDR gemacht hat, erzählt Schreiber, wie sich Menschen und Städte zu einem Zuhause entwickeln können und wie es ist, als Künstler beruflich in der Welt unterwegs zu sein bzw. unterwegs zuhause zu sein.
Die folgende Textpassage nimmt Bezug auf Roland Barthes »Reich der Zeichen«. Schreiber will damit den besonderen Erfahrungswert sowie den Perspektivenwechsel, den ein Spaziergang durch eine Stadt evoziert, hervorkehren:

»Wir alle, so Barthes, neigten dazu, die Stadt als einen Text zu lesen, als eine Aneinanderreihung von Adressen, von Geschichten und Dingen, die wir kennen. Gleichzeitig aber könne man eine Stadt nur durch 'Gehen und Sehen, durch Gewöhnung und Erfahrung' kennenlernen. Den Ort, an dem man lebt, könne man nur zum eigenen Ort, zum eigenen Erfahrungsraum machen, indem man sich selbst als eine Art 'Ethnograph' betätige.«

Hier der Link für weitere Informationen: daniel-schreiber.org
Jens Schanze: »La buena vida« (2015/16) (posted by Antonia Schneider – 14. April 2020 09:31)Antwort
Im Kontext des »guten Lebens« möchte ich eine Filmempfehlung an alle Cineast*innen aussprechen, die sich für die »buen vivir«-Lebensweise der indigenen Bevölkerungsgruppen in Südamerika interessieren.
Jens Schanzes Dokumentarfilm »La buena vida« aus dem Jahr 2015/16 beschäftigt sich mit dem Kohleabbau im La Guajíra (Kolumbien) und der daraus resultierenden Bedrohung für die Wayùu Indígenas. Um Kohle aus der 700km2 großen Cerrejón-Mine abbauen zu können, soll die Wayúu Gemeinschaft Tamaquito umsiedeln. Nach langwierigen Verhandlungen willigen sie ein, aber der vom multinationalen Bergbaukonzern versprochene Wasseranschluss versiegt bereits nach einigen Tagen.
Der Film begleitet die Wayúu Gemeinschaft und hinterfragt sowohl das europäische Wohlstandsstreben, als auch den Prozess der Kohlegewinnung.

Hier der Link zum Trailer: http://www.dasguteleben-film.de/trailer/

Auf der Website http://www.dasguteleben-film.de/start/ kann man zudem nähere Informationen zur Kultur der Wayúu sowie zur Filmgenese und den Dreharbeiten nachlesen.
Die Frage der Kreativität ... (posted by Reinhard Braun – 1. April 2020 21:18)Antwort
Die Koleg*innen vom europäischen institut für progressive kulturpolitik (eipcp.net) haben kürzlich einen Newsletter verschickt, in dem unter anderem ein neues Buch von Sofia Bempeza angekündigt wurde: Geschichte(n) des Kunststreiks (transversal texts 2019); das Thema ellein klingt natürlich überaus spannend und beim Blick in das Vorwort des Buches, das es auch als PDF zum Dowload gibt, bin ich auf eine kritische Reflexion des Begriffs der »Kreativität« gestoßen, was sofort meine Aufmerksamkeit erregt hat, spielte doch der Begriff in den letzten Monaten in vielen Gesprächen zur Vorbereitung von "Der Stadt & Dem guten Leben" durchaus eine prominente Rolle; zugegebener Maßen fühlte ich mich nie wohl mit dem Begriff, weil er signalisiert, es gäbe ein subjektives Potenzial, das freigelegt werden könnte (oder gar freigelegt werden muss), und als würe dabei eine Produktivität freigelegt werden, die abseits kultureller Konventionen oder vorgegebener Ideen darüber stattfinden könnte, so, als hätte die Idee der Kreativität sozusagen automatisch ein kritisches Potenzial.

Das Vorwort zum erwähnten Buch von Sofia Bempeza, das wiederum von Athena Athanasiou stammt, widerspricht dieser Idee vehemennt; und ich bin froh darüber.

Hier ein paar Auszüge; ich hoffe, die Autor*innen verzeihen mir diese Aneignung.
Vorausschicken möchte ich, dass sich zur Zeit ALLE Verlage über ein Bestellung von Büchern freuen und diese auch dringend benötigen. Ich kann euch das Buch in Papierform also nur wärmstens empfehlen!



Athena Athanasiou
Widerstand gegen unwiderstehliche Selbsttechnologien
Das unternehmerische Subjekt und die Kreativitätsanrufung

(in einer Übersetzung von Gerald Raunig)

In der ausklingenden Ära der technischen Reproduzierbarkeit und in Zeiten der Vermarktung erhob sich die allgegenwärtige Trope der Kreativität zur Leitkraft des »unternehmerischen Selbst«. Neoliberale Ökonomien investieren in die Inwertsetzung und Neurahmung des schmierigen Begriffs der Kreativität im Kontext alltäglicher Kulturformen. Diese Ökonomisierung und Vermarktung von Kreativität spiegelt das wider, was Angela McRobbie treffend „das Kreativitätsdispositiv“ genannt hat. […] Unter Rückgriff auf Michel Foucault hat McRobbie die Anrufung »be creative« im kulturellen Bereich insbesondere in Zeiten neoliberaler Krisen und Austerität begrifflich als eine mächtige Form der Selbstregierung und Gouvernementalität gefasst. Im Rahmen der Kulturindustrien kanalisiert das Motiv und Dispositiv der Kreativität die Neudefinition der Arbeitsbedingungen und die Intensivierung von Prekarisierung und Selbstprekarisierung.[…]

Die Individualisierung und Privatisierung der Kreativität wurde zu einem Schlüsselbegriff der kapitalistischen Lebensweise – und insbesondere der Art und Weise, wie der zeitgenössische Kapitalismus sich durch die alles durchdringenden Effekte der kreativen Arbeit neu gestaltet und neu arrangiert. […]

Als fester Bestandteil der westlich-liberalen humanistischen Epistemologie und des Besitz-Individualismus wird Kreativität in all ihren ästhetischen, philosophischen und historischen Implikationen neu interpretiert: als strategische Arena des Humankapitals, der wettbewerbsfähigen Selbstbildung und des Eigeninteresses, des Prekaritätsmanagements und der Fantasien von der Kalkulierbarkeit der Zukunft im gegenwärtigen flexiblen Plattformkapitalismus.[…]

Das Kreativitätsdispositiv, das seine politische und ideologische Kraft aus projektbasierten Pädagogiken des »Edutainment« bezieht, verdrängt und ersetzt das Seminar, den Text, die Lesegruppe und die langsame Zeitlichkeit der Forschung (alles Figuren, die als veraltete und »überpolitisierte« Manifestationen der Dekonstruktion, des Poststrukturalismus und der linken kritischen Geisteswissenschaften festgeschrieben und diskreditiert werden).[…]

Kreative Arbeit fungiert als paradigmatisches Mittel und allgegenwärtiges Muster für »atypische«, freiberufliche, unregelmäßige und prekäre Beschäftigungsformen im Spätkapitalismus. Damit spiegelt sie – und verschleiert gleichzeitig – die historischen Bedingungen, unter denen prekäre und unbezahlte Arbeit ein wesentlicher Bestandteil der kapitalistischen Unterwerfung geworden ist, die speziell auf diejenigen ohne Klassen-, Geschlechts-, Ethnizitäts- und staatsbürgerliche Privilegien (wie z. B. Migrant_innen und gegenderte Hausangestellte) zugeschnitten ist. […]

Die politischen Fragen, die sich aus diesen Prozessen ergeben, lauten: Kann die zeitgenössische Kulturproduktion nur als ökonomischer und ideologischer Machtkanal oder auch als komplexer Raum für die Möglichkeit von Anfechtung und Kritik betrachtet werden? Wie kann man sich dem Kreativitätsdispositiv und seinen normativen Beschwörungen und subjektivierenden Effekten widersetzen und es deaktivieren? […]

Bestellen und weiterlesen empfohlen!
siehe: https://transversal.at/books/kunststreik
Sprechstunden im Cafe Hornig (posted by Antonia Schneider – 24. März 2020 16:54)Antwort
Am 4. und 11. März 2020 hatten wir uns im Cafe Hornig zu den ersten – und leider auch auf absehbare Zeit letzten – beiden Sprechstunden getroffen. Am ersten Mittwoch waren wir noch unter uns, am zweiten Mittwoch hatten uns Franziska Schruth und Florian Simon zu einem produktiven Gespräch über die gemeinsam geplanten Projekte besucht. Wir hoffen, diese Gespräche bald wieder aufnehmen zu können. Alles Gute euch allen und kommt gut durch diese schwierige Zeit!

PS: Man beachte den extra produzierten Wimpel ...
Noch ein Literaturhinweis zur Stadt als Gemeingut (posted by Reinhard Braun – 28. Januar 2020 15:38)Antwort
Bereits im Jahr 2017 hat Mathias Heyden – der als Moderator des ersten Treffens eingeladen war – gemeinsam mit Stavros Stavrides in der Publikationsreihe Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt eine Ausgabe zum »Gemeingut Stadt« herausgegeben:

„Gemeingüter sind weder etwas, das einfach da draußen existiert, noch sind sie etwas, das – objektiv gesehen – bestimmten Ressourcen oder Dingen innewohnt. Sie sind eine Beziehung zwischen Menschen und den von ihnen kollektiv als essentiell für ihre Existenz beschriebenen Bedingungen“, schreibt Stavros Stavrides, Architekt, Aktivist und Autor von Common Space: The City as Commons. Stavrides versteht die Herstellung, Entwicklung und Pflege von Gemeingütern als eine soziale Praxis, die kapitalistische Werte und hierarchische Formen gesellschaftlicher Organisation radikal herausfordert. Auf diese Weise gestaltete städtische Räume unterscheiden sich von privatisierenden Einhegungen und von öffentlichem Raum, wie wir ihn kennen: gemeinsame Räume, die permanent einladend und im Entstehen begriffen sind, die nicht nur geteilt werden, sondern das Teilen selbst mitbestimmen. In diesem von Mathias Heyden herausgegebenen Heft führt Stavrides in sein Nachdenken über das Gemeingut Stadt ein. Am Beispiel besetzter Plätze, selbstverwalteter Einrichtungen und autonomer Nachbarschaften in Griechenland und Lateinamerika veranschaulicht er seine Theorie eines städtischen Gemeinschaffens, das im Kontext der globalen Debatten und Kämpfe um soziale und ökonomische Gerechtigkeit einen möglichen Weg hin zu einer in der Tat emanzipierten Gesellschaft weist.
Vorschlag Workshop: Die Stadt als Gemeingut (posted by Reinhard Braun – 18. Januar 2020 12:40)Antwort
Eines der Ziele des Projekts »Die Stadt & Das gute Leben« könnte darin bestehen, Impulse für eine verstärkte Debatte der Stadt als Gemeingut zu liefern. Dabei soll es nicht um Theorie gehen, sondern um die Frage, wie sich Aspekte des Gemeinschaffens in konkreten Projekten umsetzen lassen bzw. um Beispiele, wo das bereits umgesetzt wurde. Für alle, die dazu etwas lesen möchten, hier ein Hinweis auf die Architekturzeitschrift arch+, die im Jahr 2018 diesem Thema eine Ausgabe gewidmet hat:

»Gemeinschaffen ist ein Prozess der Aushandlung von Unterschieden und Konflikten zwischen Individuum, Gemeinschaft und Gesellschaft. Ein Prozess der räumlichen Organisation der Beziehungen zwischen Produktion und Reproduktion, Eigentum und Zugang zu Ressourcen. Ein Prozess, in dem Solidaritätsnetzwerke geknüpft und die individuellen und kollektiven Rechte neu definiert werden. Das Projekt stellt die vorherrschenden sozialen und politischen Strukturen infrage und sucht nach neuen Formen einer kollektiven und dennoch pluralistischen Governance. An Atlas of Commoning entfaltet ein Netzwerk der Ideen für ein solidarisches und emanzipatorisches Gemeinschaffen, welches das Individuum nicht in der Gemeinschaft gleichschaltet, sondern das Einzigartige, das Andersartige und das Besondere zu entscheidenden Qualitäten des Miteinanders macht.«