Site-Specific (Public) Lessions: Veranstaltungen zwischen 23. Oktober und 22. November

Bei allen Indoor-Veranstaltungen bitte die Maskenpflicht beachten! Anmeldung und Rückfragen zu allen Veranstaltungen an
organisation@diestadtunddasguteleben.at

 

»Anamnese« mit Stephan Steinwidder (VinziSchutz)
in Zusammenarbeit mit Klaus Resch, FH Joanneum Soziale Arbeit & Andrea Knafl, Jugend am Werk – housing first (BAWO Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe)
30.10.20, ab 14Uhr @Camera Austria

Ausstellung: ICH BIN DA – Wohnungslosigkeit ist auch weiblich
Klaus Resch, FH Joanneum Soziale Arbeit | Andrea Knafl, Jugend am Werk – housing first (BAWO – Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe)
3. – 8.11.20 @Camera Austria

Balkonausstellung »WALD« 
Büro für Pessi_mismus
3. – 8.11.20 @Camera Austria

Markierungen des Stadtraums/Stadtteilfahnen
3. – 8.11.20 am Hofbauerplatz, Eggenberg

»Wertschätzung«
Florian Simon, Natur.Werk.Stadt
(Eröffnung am 4.11.20 um 18Uhr @Camera Austria)
4. – 22.11.20

Round Table zum Thema (Frauen-)Wohnungslosigkeit
mit Andrea Knafl, Jugend am Werk – housing first | Klaus Resch, FH Joanneum Soziale Arbeit | Anja Bischelsrieder, BAWO/Neunerhaus | Sandra Schimmler, Stadt Graz | Iris Garger-Semlitsch, Stadt Graz Frauenwohnheim | Silvia Gangl, Plattform Sichtbar Werden der österreichischen Armutskonferenz/Interact, Werkstatt für Theater und Soziokultur | Tamara Höflechner, Zentrum für Suchtmedizin LKH Graz II | Michaela Gosch, Frauenhäuser Steiermark
6.11.20, 17-20Uhr @Camera Austria

»Smart City Trees« Dokumentation einer Rodung
Simone Kocsar, Natur.Werk.Stadt
13. – 22.11.20 @Camera Austria

Offenes Herbarium
Daniela Zeschko, Natur.Werk.Stadt
17. – 22.11.20 @Camera Austria

Präsentation der »topothek«
Antonia Nussmüller, Graz Museum
17.11.20, 18Uhr @Camera Austria

Ergebnisworkshop »Wertschätzung«
Florian Simon, Natur.Werk.Stadt
20.11.2020, 16Uhr @Camera Austria

 

 

Informationen zu den einzelnen Projekten

+++ »Anamnese« und »ICH BIN DA. Wohnungslosigkeit ist auch weiblich« +++
Um auf weibliche Wohnungslosigkeit aufmerksam zu machen, organisierten Studierende des Bachelorstudiengangs »Soziale Arbeit« der FH Joanneum im Rahmen der Lehrveranstaltung »Projekte und Projektmanagement« im Wintersemester 2019/2020 die Ausstellung »ICH BIN DA – Wohnungslosigkeit ist auch weiblich« in der off_gallery graz. Ziel des Projekts war und ist es, Stereotype aufzubrechen, denn Wohnungslosigkeit geht über das herkömmliche Bild von auf der Straße lebenden Menschen hinaus. Vor allem betrifft sie nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Aus Scham oder Schuldgefühlen versuchen Frauen, Wohnungslosigkeit zu vermeiden beziehungsweise entstandene Wohnungslosigkeit verdeckt zu leben und ihre Notlage zu verbergen. Zudem fallen obdachlose Frauen in der Öffentlichkeit weniger auf als obdachlose Männer. Dabei ist ein Drittel der Wohnungslosen in Graz weiblich. Frauen scheuen oft mehr als Männer davor zurück, ihre Lage sichtbar werden zu lassen. Sie versuchen auch intensiver als Männer, bei Bekannten unterzukommen, um nicht auf der Straße oder in Einrichtungen für Wohnungslose übernachten zu müssen. Aber ihr Zustand ist genauso prekär wie der männlicher Wohnungsloser.

+++ Balkonausstellung +++
Corona hat die Welt verändert bis hinein ins tief Private. Der Lockdown hat uns in unseren vier Wänden gehalten. Was für manche ein Zwang war nutzten andere, um sich ihrem Wohnraum wiederanzunähern. So ist aus der Behausung wieder ein Zuhause geworden – einerseits durch das vorhandene Sicherheitsgefühl, das besonders bei Risikogruppen stark vorhanden war, andererseits durch so manche Intervention, vom Putzen über Umstellen bis hin zum – als einkaufen wieder möglich war – einen oder anderen neuen Stück für die Wohnung. Wir spüren hinein in dieses ganz Private, wollen es finden und ausschnitthaft öffentlich machen. Wir wollen es wissen: Wo ist ihr/dein Lieblingsplatz? Und warum? Dazu wurden Bewohner*innen der sog. WALD-Siedlung Einwegkameras zur Verfügung gestellt, um diese Plätze zu dokumentieren. Diejenigen, die sich dazu bereit erklären, zeigen eines der Bilder auf einer Plane an einem Balkon – nicht notwendigerweise ihrem eigenen. Die Plätze tauschen den Platz. Ab 3. November sind die Bilder dann im Ausstellungsraum von Camera Austria zu sehen.

+++ Markierungen des Stadtraumes/Stadtteilfahnen +++
Am zweiten Treffen aller Partner*innen im Jänner 2020 wurde von verschiedenen Seiten die Idee von Markierungen des öffentlichen Raumes, aber auch vom Nähen von Stadtteilbildern eingebracht. Wir haben diese Vorschläge miteinander verbunden und haben zu gemeinsamen Workshops im OPEN.LAB Reininghaus eingeladen, bei denen fahnenähnliche Textilien entstanden, die für die Markierung von bestimmten Orten verwendet wurden. Diese Orte fragten wir über einen Fragebogen ab, den wir den Partner*innen zur Verfügung gestellt haben. Von 3. – 8. November werden alle Fahnen am Hofbauerplatz gemeinsam gezeigt werden.

+++ Wertschätzung & Ergebnisworkshop +++
Wertschätzung ist – wissenschaftlich vielfach belegt – ein Grundbedürfnis des Menschen. Wertschätzung ist ein elementarer Treibstoff im Miteinander und ermöglicht ein friedliches und kooperatives Zusammenleben. Durch die Heterogenität der Definitionen sind Enttäuschungen und Missverständnisse im Miteinander vorprogrammiert: wenn nicht klar ist, was der/die andere unter Wertschätzung versteht, kann er/sie den Wunsch nach »mehr Wertschätzung« mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erfüllen. Deshalb ist es wichtig, miteinander über das eigene Wertschätzungs-Verständnis ins Gespräch zu kommen und sich und seinen Mitmenschen bewusst zu machen, was als Wertschätzung erlebt wird und was nicht. Eine zunehmende Werte-Pluralität, die durch das rasche Wachstum der Stadt und die zunehmende Heterogenität der Herkunftskulturen vorangetrieben wird, macht eine Verständigung über Werte als Basis für das Schätzen von (anderen) Werten umso wichtiger. Zwischen 4. und 22. November 2020 wird die Wertschätzungsausstellung (WSA) — das Postamt, der Wertschätzomat und die Interviewanordnung — an ausgewählten Orten bei Camera Austria aufgebaut, um die Besucher*innen einzuladen, über die Bedeutung von Wertschätzung für ein gutes Leben nachzudenken und Ideen und Inspirationen zu bekommen, das eigene Verhalten wertschätzender zu gestalten. Zu Beginn erfolgt eine Prä-sentation des Projekts, dazu findet wöchentlich ein Mini-Workshop in einer der Stationen statt und am 20.11 findet ein Ergebnis-Workshop in einer der Stationen statt.

+++ Round Table zum Thema (Frauen-)Wohnungslosigkeit +++
Obdachlosigkeit ist eine Menschenrechtsverletzung und die schärfste und sichtbarste Form von Armut: Betroffene Menschen schlafen im Park, auf der Straße, oder — sofern sie darauf einen Anspruch haben — in einem Notquartier. Obdachlose Menschen erleben neben dem Fehlen eines Zuhauses systematische Diskriminierung und Exklusion. Dabei werden »die Obdachlosen« zu einer sozialen Gruppe, die von Stigmatisierung betroffen ist. Obdachlosigkeit ist als sichtbare Form von Armut ein Seismograf für gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse. Der Round Table soll die Besonderheiten und Facetten von Frauenwohnungslosigkeit aufzeigen, die sich grundlegend von der Wohnungslosigkeit von Männern unterscheidet. Es wird diskutiert, wie eine Sensibilisierung für die Thematik erfolgen kann und welche Hilfen sinnvoll sind oder wären, um eine stabile Wohnversorgung für Frauen in Wohnungsnot schaffen zu können.

+++ »Smart City Trees« Dokumentation einer Rodung +++
In der Smart City mussten aufgrund der Bauarbeiten für die Straßenbahn ca. 50 Bäume gefällt werden, darunter viele Großbäume. Um dies zu dokumentieren, wurden sie noch vor der Fällung fotografiert. Mit den Baumporträts der »Smart City Trees« wird einerseits der Stellenwert natürlicher urbaner Begrünung in der modernen Stadtplanung hinterfragt, andererseits soll ein Impuls gesetzt werden, sich mit dem vielfältigen Nutzen von Bäumen und möglichen Alternativen zur Rodung auseinanderzusetzen. Zum Projekt erschien auch eine Postkartenserie.

+++ Offenes Herbarium +++
Mitarbeiter*innen aus der Natur.Werk.Stadt kartieren drei Straßen bzw. Flächen in Eggenberg in Form eines Herbariums. Es werden auf ausgewählten Flächen Blumen und Gräser gesammelt, gepresst und bestimmt. Die Anzahl der Individuen ist stellvertretend für die Häufigkeit am Fundort. Diese gepressten Pflanzen werden bei Camera Austria ausgestellt, indem sie auf einer Fläche aufgelegt und mit einer Glasplatte beschwert werden. Neben den Flächen findet sich ein Plan, auf dem markiert ist, woher die Pflanzen stammen. Ziel ist es, dass unterschiedliche Flächen mit heterogenen Pflanzen und unterschiedlicher Diversität entstehen. Die Pflanzenrepräsentieren die »grüne DNA« der ausgewählten Flächen/Straßen und sind eine Bestandsaufnahme. Mit diesen Bestandsaufnahmen kann in Folge weiter gearbeitet werden.

+++ Präsentation der »topothek« +++
Die Topothek ist ein gemeinschaftlich erstelltes und bearbeitetes Online-Archiv sowie ein regionalhistorisches Nachschlagewerk. Ziel ist die Sicherung und Sichtbarmachung von historischem Material aus Privatbesitzen. Bilder, Tonaufnahmen, Videos, Zeichnungen, Objekte, schriftliche Dokumente sind Erinnerungsstücke und Momenteindrücke. Sie zeigen, wie etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt war oder wahrgenommen wurde. Die Objekte werden zusammen mit zusätzlichen Informationen/Geschichten/Erinnerungen in der topothek für das kollektive Gedächtnis und eine gemeinsame Erinnerungskultur digital ge-sichert. Die Originale verbleiben dabei bei den Besitzer/-innen, die gemeinsam mit den Topothekar/-innen das Wissen sowie die Geschichte(n) zu den »Objekten« erarbeiten. Alle Bestände und Informationen zu diesen sind in der Topothek über Schlagworte, Datierung und Verortung auf dem aktuellen Stadtplan miteinander verknüpft und dadurch für Benutzer/-innen optimal durchsuch- bzw. filterbar. In der topothek Graz werden Aktivitäten dieses Kulturjahr 2020-Projekts dokumentiert und es soll ein Austausch mit den Be-wohner*innen des Bezirks entstehen.